CHONDROPATHIA TUBEROSA

Die Chondropathia tuberosa ist besser unter der Bezeichnung Tiet ze-Synd rom oder Morbus Tiet ze bekannt.

Der Chondropathia tuberosa liegen Störungen im Bereich der oberen sternokostalen Übergänge (= Übergänge vom Brustbein zu den Rippen) zugrunde, hervorgerufen durch synchondrosennahe (= nahe am Knorpelgelenk gelegene) Überlastungs- oder Ermüdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer Thora kotomie (= operative Eröffnung des Brustraumes).
In der Regel geben die Patienten einseitige, unspezifische Brust- und Brustbeinschmerzen an, überwiegend links, die bei Beschwerdezunahme auch in den linken Arm ausstrahlen und dann Herzbeschwerden vortäuschen können. In vielen Fällen bestand bei Patienten mit einer
Chondropathia tuberosa deshalb in der Vorgeschichte schon häufiger der Verdacht auf Herzinfarkt. Bei rechtsseitiger Beschwerdelokalisation kann es auch zu einer Schmerzausstrahlung in den rechten (Ober-) Ar m kommen. Manche Patienten verspüren auch eine Schmerzausstrahlung in die linke Halsseite.

Vegetative Begleiterscheinungen, wie beschleunigter Puls und Hitzegefühl sind nicht selten und der Schmerzcharakter ist oft brennend oder glühend, also ganz im Sinne einer Sympathalgie (= Schmerzen, ausgehend vom vegetativen Nervensystem) bzw. eines Quadrantensyndrom s (= vegetative Schmerzen im Bereich eines Körperviertels).
Beim Quadranten-Synd
rom folgt die Schmerzausbreitung nicht der segmentaler Ordnung der Nerven sondern mehr dem Verlauf eines größeren Blutgefäßes.
Nicht selten klagen die Patienten auch über eine Sternalgie
(= Schmerz im Brustbein), z.T. über in den gleichseitigen Halsbereich aufsteigende Beschwerden.

Bei der Untersuchung sind bei einer Chondropathia tuberosa schmerzseitige Rippenansätze am Br ustbein deutlich druckschmerzhaft und erscheinen aufgetrieben. Bei stärkerem Druck können häufig die vom Patient berichteten Beschwerden im Brustkorb ausgelöst werden.

Die Schmerzbehandlung ist einfach und überwiegend erfolgreich:
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) ( z.B. Bupivacain 0,5%) in Form von wiederholten Infiltrationen (z.B. 2 mal täglich über 10 Tage) der schmerzhaften Rippenansätze am Br ustbein (evtl. auch mit Kortikoidzusatz).
Zur Vermeidung einer folgenschweren Verletzung des Mediastinums
(= Mittelfellraum, unter dem Brus tbein gelegen) empfiehlt es sich, die Kanüle (= Spritzennadel) nicht senkrecht zur Haut einzustechen, sondern stets in einem Winkel von ca. 45 Grad.
Wohltuend empfindet der (schlanke) Patient auch das Auftragen einer anästhesierenden
(= betäubenden) Salbe (z.B. EMLA®) oder ASS in Äther gelöst. Auch kann eine Iontophorese (= Einbringen eines Medikaments durch die Haut mit Hilfe eines elektrischen Stroms) mit z.B. Diclofenac hilfreich sein.
In hartnäckigen Fällen muß die beschriebene therapeutische Lokalanästhesie konsequent 2 mal täglich (auch am Wochenende) durchgeführt werden, was i.d.R. allerdings nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist.
Als nächst höhere Therapiestufe kommt dann die wiederholte Blockade des Ganglion stellatum
(= eine Schaltstelle des unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen Halsbereich) in Frage.
Vorübergehend ist auch bei
Chondropathia tuberosa die Verordnung eines tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum s (= Mittel zur Behandlung einer Depression) zur Schmerzdistanzierung sinnvoll, ebenso (vorsichtige) gymnastische Übungsbehandlungen zur Verbesserung der Thoraxmobilität (= Beweglichkeit des knöchernen Brustkorbs).

Brustbei nschmerzen die mehr hinter dem Brus tbein empfunden werden, weisen auf Erkrankungen der Speiseröhre oder auch auf die koronare Herzkrankheit hin. Auch Schmerzen infolge eines Magen geschwürs können hinter das Brus tbein ausstrahlen.

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Aktualisiert: >26.02.2008</> kusb&
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